Bildung

von Niklas Waglechner

Nachdem der berühmte Physiker Max Planck den Nobelpreis gewonnen hatte, hielt er viele Vorträge in ganz Europa. Immer dabei war sein Chauffeur, der schon bald alle Reden auswendig kannte. So Schlug Planck einmal vor, die Plätze zu tauschen, da sich die beiden ziemlich ähnlich sahen.

 

In Straßburg hielt der Chauffeur einen Vortrag über Quantenmechanik. Seine Rede endete in tosendem Applaus. Nach der Vorstellung fragte ihn ein Professor etwas über den Inhalt des Vortages. Der Chauffeur antwortete: "Die Frage ist so einfach. Da können Sie auch gleich meinen Chauffeur fragen."

 

Was sagt uns diese Geschichte? Sie zeigt uns, dass es zwei verschiedene Arten von Wissen gibt. Also das Planck-Wissen bzw. das tiefe Wissen. Man kann die Dinge erklären und kennt sich mit dem Thema aus. Und es gibt das Chauffeur-Wissen bzw. das Auswendiglernen und Halbwissen. Man hat ein paar Fakten auswendig gelernt und hat nur Wissen über die Namen und Bezeichnungen.

 

In der Schule ist jedoch der Unterricht, dank unseres Schulsystems, auf das Chauffeur-Wissen fixiert. Die Schüler schreiben Texte ab, lesen Bücher und lernen Gedichte auswendige, die sie nicht interessieren. Anstatt bei den Schülern das Interesse an einem Thema zu wecken, wird das Wissen, vor allem in den Wissenschaften, in die Köpfe hineingepresst. Im besten Fall merken sich die Schüler ein paar Fakten und ein bisschen Halbwissen.

 

Die meisten Jugendlichen haben heute keine richtigen Interessen mehr. Sie verbringen ihre Freizeit vor dem Handy und lesen nur, wenn nötig, ein wenig für die Schule. Sie mögen die Schule nicht recht besonders und wenn, nur wegen ihrer Freunde, die sie dort täglich sehen. Das Wissen, das dort vermittelt wird, ist ihnen egal. Sie zeigen nur sporadisch Anreiz. Meist lernen sie nur der Note wegen und verlieren, wenn sie über einen längeren Zeitraum einen gewissen Notenschnitt halten, die Motivation.

 

Auch lernt man in der Schule teilweise unnütze Dinge, die einem im späteren Leben nicht wirklich viel bringen. Zum Beispiel die Geschichte der Pferdewege im Mittelalter in London. Die Ausrede "Von dem sollte man einmal gehört haben" gilt nicht mehr. Wir sollten für das Leben lernen und nicht für die Schule. Unser Deutschlehrer hat uns einmal in der ersten Klasse eine Frage über Verben  gestellt. Er fragte: "Was sind die drei Stammformen des Verbs?" Keiner wusste die Antwort. "Das ist aber Volksschulstoff!", fuhr er fort. Was unser Lehrer gesagt hat, stimmt. Wir haben den Stoff schon in der Volksschule durchgemacht, aber keiner hatte Interesse gezeigt und auch nicht für sein Leben, bis zu diesem Moment, gebraucht. Wir schrieben einfach nur ein paar Merktexte ab und hatten einen Test über das Thema.

 

Was zeigen uns alle diese Beispiele? Wir lernen in der Schule, im Beruf oder sonst wo sehr viel, aber merken uns nur sehr wenig, da wir uns für die Themen nicht ausreichend interessieren, sie nicht für das Leben brauchen und nicht vertieft haben.

 

Unser Bildungssystem stammt zum Großteil noch aus dem 19. Jahrhundert und ist veraltet. Man wollte, dass die Arbeiter- und Bauernkinder ein Allgemeinwissen aufbauen und dass die Reicheren und Klügeren unter ihnen auf die Universität gehen. Heute leben wir im digitalen Zeitalter, im Zeitalter der Information. Wir brauchen eine große Bildungsreform!