Der Erfurter Latrinensturz

von Niklas Waglechner

Heute geht es um den Erfurter-Latrinenstur, um einen außergewöhnlicher Griff ins Klo:

 

Alles begann mit einem Streit. Dieser wurde zwischen dem damaligen deutschen Kaiser Heinrich VI und dem bayrisch-sächsischen König Ludwig III ausgetragen.

 

Es ging dabei um die thüringische Grenz -und Landeshauptstadt Erfurt. An der Grenze zu dieser Stadt erbaute nun Ludwig III eine Burg. Als diese dann fast fertig war, beanspruchte Heinrich das Stück Land, auf dem das Gebäude stand.

 

Damals waren die Landesgrenzen ziemlich ungenau. Heinrich drohte sogar mit Krieg, da aber Ludwig sich keine Chance gegen den Kaiser ausmalte, lud er sich zu einem Hoftag in Erfurt bei Heinrich ein, um den Streit mit Worten, statt mit Waffen, beizulegen. 

 

Der Hoftag fand in der Dompropstei Erfurts statt. Dazu muss man aber wissen, dass das Kirchenhaus, durch die starken Regenfälle in der Region, dringend sanierungsbedürftig war und das ganze Holz, wie z. B. die Dachbalken, Tische oder Böden, langsam, aber sicher begannen morsch zu werden.

 

Am 26. Jänner war es so weit. Ludwig und die anderen Fürsten des Reichs zogen samt ihrem Gefolge in Erfurt ein und nahmen in der Dompropstei Platz. Die meisten Gäste jedoch verließen recht bald aber die Propstei, denn die Festsäle, in denen die Feier stattfand, lagen direkt über der Toilettengrube und dem entsprechend stank es dort auch ziemlich.

 

So zogen sich die beiden Streithähne in einen Nebenraum zurück. Knapp zwei Stunden ging das Fest, bis auf einmal der Boden zu knacksen anfing und in die Tiefe stürzte. Mit sich in den Abgrund zog er die komplette Festgesellschaft.

 

Die Adeligen und Geistlichen fielen zwei Stockwerke tief in die Latrine, oder besser gesagt, in die Toilettengrube. Über 60 Personen starben so an Brüchen, erstickten im Kot oder bekamen daraufhin eine Krankheit und fanden wenige Wochen später ihren Tod.

 

Auch mussten viele Fürsten des Heiligen Römischen Reiches ihr Leben lassen. Das Reich erlebte eine große Krise.

 

Der Kaiser und sein Nebenbuhler blieben unverletzt. Wie nun der Streit zwischen den beiden ausgegangen ist, wissen wir heute nicht mehr. Es gab nun wahrscheinlich größere Probleme für den Kaiser, da ein Zehntel seiner Fürsten in einer Latrine zu Tode gekommen war.