Die Krim: Halb Russland, halb Europa

von Niklas Waglechner

Die Krim ist eine teils ukrainische- und eine teils russische Halbinsel zwischen dem Schwarzen- und dem Asowschen Meer.

 

Seit über 30 Jahren ist sie schon Streitpunkt zwischen Nato und Russland. Aber waben eigentlich der Westen bzw. die USA auf einer Halbinsel, die am gefühlten Ende der Welt liegt, verloren?

 

Die Antwort ist eigentlich gar nichts, denn die Krimkrise oder auch Krimkrimi ist ein Konflikt zwischen einem Nicht-Natomitglied, der Ukraine, und dem alten Zarenreich Russland. Heute geht es um die Krim, um ein Gebiet mit großem Potenzial und Streitigkeiten.

 

Fangen wir, wie so oft, am Anfang an. Vor über 2000 Jahren siedelten auf dem Gebiet der heutigen Krim Griechen und Kimmerer. Sie bauten Städte, wie Chersones, und gründeten

ein weitläufiges Handelsnetz. Später wurde die Krim dann ein römischer Tribun mit dem klangvollen Namen „Das bosporusische Reich“ verwandelt.

 

Als dann das römische Reich zerfiel, fielen Goten und Hunnen in die Krim ein. Im Mittelalter eroberten die muslimischen Mongolen das Land und besiedelten sie erneut. Das Gebiet blieb noch viele Jahrhunderte unter islamischer Herrschaft (Stichwort osmanisches Reich und Khanate).

 

Schlussendlich nahmen die Russen das Land im 18. Jahrhundert unter ihre Fittiche. In diesem Zustand verblieb die Region wieder mehrere Jahrhunderte und wurde erneut neubevölkert. Nun stellten die Russen den Großteil der Bevölkerung.

 

Im 1954 schenkte der Präsident der UDSSR, Chruschtschow, die Krim der Ukraine, diese war in jener Zeit so eine Art Bundesland Russlands. Als in den 90ern die Sowjetunion zerfiel, glitt auch die Krim aus den Händen Russlands. Nur mit Mühe konnte der neue Staat Ukraine die Stabilität wahren im eigenen Land wahren. Man gab der Krim eine gewisse Autonomie, ähnlich wie der in Südtirol. Die Bürger dort mussten also weniger Steuern zahlen und hatten ihre eigene Verwaltung. Russland wurde mit militärischen Stützpunkten und Bohrrechten beschwichtigt.

 

Man könnte nun sagen alles sei perfekt. Die Bürger auf der Krim haben Autonomie, die Provinz gehört zu der Ukraine und Russland hat Hoheitsrechte in den Bereichen Militär und Rohstoffförderung. Aber wie immer läuft nicht alles, wie es soll.

 

Durch Sanktion gegen Russland von der EU, wie immer wegen Menschenrechtsverletzung etc., musste sich die Ukraine für eine Seite entscheiden. Entweder für Europa, das die Ukraine mit Hilfszahlungen versorgt, oder für Russland, das Erdgas und Öl an die ehemalige Sowjetrepublik liefert. Die Ukraine wollte kein Risiko eingehen und blieb also neutral.

 

Die Folgen: Die EU reduzierte die Hilfszahlungen und Russland erhöhte die Preise von Erdgas. Überall im Land brachen Proteste, wegen der schlechten Wirtschaftssituation, aus. Im Westen für die EU und im Osten für Russland. Unter solch einem großen Druck trat die Regierung zurück. Die Proteste weiteten sich aus. Es bildeten sich prorussische "Terrormilizen", die Teile der Ostukraine besetzten. Das Militär griff ein und besiegte einen Großteil der Rebellen mit amerikanischer Geldern. Nur die Krim blieb noch besetzt und um das Problem zu lösen, wurde ein Unabhängigkeitsreferendum von den Rebellen durchgeführt.

 

Es stimmten 95% für Russland. Ein großer Triumph für Putins Regierung.

 

Im Westen möchte man das Referendum bis heute nicht anerkennen. Vor allem nicht die USA, die in dieser Region, also der Krim, nach Erdöl und Gas bohrt und damit Milliarden verdient. Unter russischer Führung würde Amerika aber dieses Privileg verlieren. Es drohen Verluste.

 

Russland berief sich unter den ganzen Anschuldigungen jedoch auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Der Westen verhängte wieder Sanktionen gegen Russland. Auch der ukrainische Strom zur Krim wurde gekappt. Es herrschten kriegsähnliche Verhältnisse. Dazu durften keine Russen mehr in die Ukraine einreisen. Die Grenze wurde zu einem kleinen Revival des Eisernen Vorhangs.

 

So sieht es heute auf der Krim aus. Auf einer Seite der Westen mit einer Doppelmoral, die nach Seinesgleichen sucht, denn selbst darf man Kriege z. B. im Iran oder Irak führen und Hundertstausende umbringen, aber wenn das China oder, wie in diesem Fall, Russland macht, verurteilt man das auf das Schärfste. Auf der anderen Seite Russland, das endlich eine Altprovinz wieder in seiner Hand weiß.