Ein kleiner Kalter Krieg

von Niklas Waglechner

Seit über 70 Jahren herrschen Furcht und Angst in der indischen Region Kaschmir. Grund für diesen Zustand ist sowie oft der Krieg, der Leid, Hunger und Not mit sich bringt. Heute geht es um den Kaschmir Konflikt, um einen Streit, der, wenn er nicht bald zum Ende kommt, in naher Zukunft für einen kleinen Atomkrieg in der Region sorgen könnte.

 

Nach vielen Protesten und zahlreichen Streiks – vor allem durch Mahatma Gandhi - entließ das Vereinigte Königreich vor über 70 Jahren seine wahrscheinlich wichtigste und wertvollste Kronkolonie Britisch-Indien in die Unabhängigkeit.

 

Endlich war das indische Volk nach über 350 Jahren europäischer Herrschaft frei und konnte sich wieder selbst verwalten und organisieren.

 

Da gab es aber nur ein großes Problem: die Religion. Im Nordwesten des Landes leben die Anhänger des Islams, die eine eher strengere Religion pflegen als die Hindus, die den Großteil des verbliebenen indischen Landes bewohnen. So spaltete sich der islamische Teil der Kolonie von Indien ab und gründete das heutige Pakistan und später Kambodscha.

 

Jetzt kommt unser Streitthema ins Spiel: die Provinz Kaschmir. Dort gehören rund zwei Drittel der Einwohner dem Islam an. Da der Herrscher und Verwalter von Kaschmir aber Hindu war, wollte er unbedingt, dass sein Land in den hinduistischen Teil des neuen Indien eingegliedert wird. Es entbrannte ein großer Streit. Auf der einen Seite Pakistan mit Terrorgruppen und Guerilla-Kämpfern und auf der anderen Seite Indien mit einem starken Heer, den westlichen Bündnispartnern und Atomwaffen.

 

Zwei Jahre bekämpften sich die zwei Ex-Kolonien, bis es 1949 endlich zu einer Volksabstimmung in Kaschmir kommen sollte. Diese wurde aber von Terrorgruppen und dem indischen Militär verhindert und so kam es erneut zu Kämpfen in Kaschmir. In den 1960ern teilt man die Provinz, nachdem sich auch China in den zweiten Kaschmir-Krieg eingemischt hatte, auf. Die Provinz bestand nun aus drei Teilen: aus dem chinesischen im Norden, aus einem pakistanischen im Westen und einem indischen im Süden.

 

Es wird erst einmal ruhig um die Region. Sie bekommt Autonomie und das Militär wird abgezogen. Es entsteht eine Pufferzone, ähnlich der im Zypern-Konflikt. Im Jahr 1989 begann die Revolte aber erneut. Islamistische Terrorgruppen besetzten mit der Unterstützung Pakistans Städte und Dörfer in Kaschmir. Das indische Militär greift ein und besetzt Teile des pakistanischen Teils von Kaschmir. So schickt auch Pakistan sein Heer, um das verlorene Gebiet wieder zurück zu erobern. Es kam zum 3. Kaschmir-Krieg. Es starben auf beiden Fronten über 70.000 Menschen und so schloss man zum dritten Mal einen Scheinfrieden. Es startete der kleine kalte Krieg erneut.

 

So ging es bis ins Jahr 2019 hinein. Als indische Bomber die Hauptstadt von Kaschmir, wegen angeblicher Terrorgruppierungen, die sich dort versteckt haben sollen, attackierten. Ein neuer Krieg entbrannte und Indien verleibte sich große Teile des Gebiets von Kaschmir wieder ein. Der Sonderstatus der Konfliktregion geht verloren. Jetzt heißt sie auch nicht mehr Kaschmir, sondern Ladakh und ist ein indischer Bundesstaat. Pakistan bleibt nur noch ein kleiner Teil von Kaschmir und droht mit Atomwaffen. Es entsendet auch einen Großteil seiner Armee in die Provinz. Ab nun kommen in Kaschmir auf eine Person rund 15 Soldaten. Kaschmir ist eine der meist militärisiertesten Regionen der Welt.