Kurden: Großes Volk ohne Staat

von Niklas Waglechner

Da in den letzten Artikeln auf dieser Seite öfter das Wort Kurden oder PKK gefallen ist und mich meine Klassenkollegen danach gefragt haben, werde ich heute in diesem Bericht genauer erörtern, was es mit diesem Volk auf sich hat und warum diese Gruppe von Menschen in manchen Ländern so verabscheut und diskriminiert wird.

 

Die Kurden sind ein im Nahen Osten lebendes Volk, zu dem über 35 Millionen Menschen zählen. Somit sind sie die größte Ethnie ohne eigenen Staat, die es auf dieser Erde gibt, aber warum ist das so? Und weshalb werden die ehemaligen Nomaden so ausgegrenzt und assimiliert?

 

Um die Probleme der Kurden zu verstehen, müssen wir uns erst einmal ihre Geschichte genauer ansehen: Vor circa 2000-4000 Jahren wanderten indogermanische Völker in den heutigen Nahen Osten und vermischten sich mit den dort heimischen Ethnien. So auch die Kurden. Früher hellenistisch, konvertierte der Großteil im 7. Jahrhundert Islam, der die kurdische Kultur und Sprache bis heute noch sehr prägt. Im Jahr 1150 gründete der damalige Sultan vom Seldschuken Reich die Provinz Kurdistan, die sich vom heutigen Iran bis nach Anatolien erstreckte.

 

Ab 1806 folgte die erste Revolte. Anfangs nur für mehr Autonomie und später dann für einen eigenen Staat. Nach dem Ersten Weltkrieg sahen die Kurden endlich ihre Chance gekommen, um ihren Traum von einem vereinten Kurdistan zu erfüllen. Sie hatten sogar schon einen Vertrag, nämlich den Vertrag von Sèvres, aufgesetzt, als aber dann Atatürk in der Türkei die Macht ergriff, anullierten die Alliierten das Abkommen einfach und setzten einen neuen Vertrag auf - den Vertrag von Lausanne, in dem den Kurden nicht einmal ein eigenes Autonomiegebiet zugesprochen wurde.

 

Von nun an gab es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen paramilitärischen Einheiten der Kurden und der türkischen Armee. In den 80ern und 90ern fanden die Konflikte ihren Höhepunkt. Immer mehr Kurden durften ihre Sprache und Kultur nicht mehr ausüben, wurden diskriminiert und für Hungersnöte oder Kriege verantwortlich gemacht. Ähnlich, wie die Juden im Mittelalter.

 

Deswegen gründete sich 1978 unter der Führung von Abdullah Etscholan die PKK. Genauer heißt diese "Arbeiterbewegung Kurdistans" und wie viele Arbeiterbewegungen im 20. Jahrhundert war ihr Handeln meist von Gewalt und Terror geprägt. Darum startetet das türkische Militär 1988 einen großflächigen auf die fast nur von Kurden bewohnte Stadt Halabdscha, bei dem rund 5000 Menschen ihr Leben lassen mussten, obwohl nur ein Bruchteil dieser Mitglieder der PKK waren.

 

Da stellt sich die Frage: Warum halfen oder besser gesagt helfen sich die Kurden nicht gegenseitig? Nun,  die Kurden haben alle verschiedene Sprachen und Bräuche. So sprechen die Kurden im Norden, Kurmandschi, die Zentral-Kurden Sorani, und die Kurden im Süden, Südkurdisch. Man kann sich das so vorstellen, als würden ein Deutscher, ein Österreicher und ein Niederländer miteinander reden. Als Österreicher versteht man den Deutschen. Als Deutscher versteht man den österreichischen Dialekt zwar nur ein bisschen, aber man weiß ungefähr, was der Bürger des Alpenlandes ungefähr meint. Bei den Holländer hingegen können der Österreicher und der Deutsche nur einzelne Wörter verstehen. So auch bei den Kurden. Jeder hat eigene Feste, eigene Bräuche, eine eigene Sprache und Dialekte, die sich zwar ähneln, aber irgendwie einander fremd erscheinen. Deswegen wollte man ab den 80ern nicht mehr ein Kurdistan, sondern mehrere kleine kurdische Staaten oder Selbstverwaltungszonen. Dementsprechend half man sich auch nicht gegenseitig, wenn ein anderer kurdischer Ableger in Not war. Oder würdest du freiwillig für die Niederlande in den Krieg ziehen?

 

Am weitesten mit ihrem Vorhaben einen Staat zu schaffen sind die irakischen Kurden. Sie haben ein eigenes Militär und Parlament. Am zweiten Platz, wenn man das so sagen kann, sind die in Syrien lebenden Kurden. Sie erhielten im Kampf gegen den IS auch Autonomie, jedoch nicht so viel wie ihre Verwandten im Irak. An letzter Stelle stehen die Kurden im Iran und in der Türkei. Sie werden von dem dortigen Militär verfolgt, assimiliert und ausgegrenzt. Sie müssen entweder auswandern oder flüchten. Meist in das kurdische Autonomie Gebiet im Irak oder nach Europa.

 

 

Die gegenwärtige Situation der Kurden, egal ob in Syrien, Irak, Türkei im Iran ist zur Zeit eher schlecht als recht, denn, um es noch einmal zu erwähnen, durch Ausgrenzung von Regierung und Volk finden sie meist keinen Anschluss und verarmen dementsprechend ohne richtigen Job oder flüchten nach Europa.

 

So hoffe ich, dass die Kurden in Zukunft nicht ausgegrenzt, nicht vertrieben und nicht assimiliert werden, sondern endlich genug Autonomie und ihren wohlverdienten Frieden bekommen.