Leben Handy

von Niklas Waglechner

"Es ist nicht wenig Zeit, was wir haben, sondern es ist viel, was wir nicht nützen."

 

Seneca

 

Sie wacht auf und greift zu ihrem Handy. Emelie bleibt noch zehn Minuten im Bett und scrollt durch Instagram. Gestern hat ihre beste Freundin ihr noch ein Tik Tok geschickt. Sie muss lachen. Dann steht Emelie auf. Mama, Papa und ihr Bruder sind schon weg. Es liegt nur ein Zettel auf dem Tisch. Darauf steht: "Ich wünsch' dir einen schönen Tag. Mama"

 

Den Zettel schmeißt sie in den Müll und nimmt die Cornflakes aus dem Kasten. Neben dem Frühstücken snapt sie ein paar Leuten zurück. Die meisten kennt sie nicht.

 

Als sie mit dem Essen fertig ist, wandert Emilie hinauf ins Bad. Sie verbringt dort eine halbe Stunde, dann zieht sie sich an. Auf dem Weg zur Bushaltestelle hört sie Musik und wird von einem Radfahrer angefahren. Er entschuldigt sich. Emilie schnauzt ihn nur an und geht weiter. Schließlich verpasst sie fast den Bus. Zum Glück hat ihre Freundin Laura ihr einen Sitzplatz freigehalten. Gemeinsam reden sie über den neuen Song von einer Influencerin XY und über deren Tik Toks. Nach einer Weile starren die beiden nur noch in ihr Handy. In der Schule müssen sie das Handy in der Schultasche lassen, wenn jedoch kein Lehrer in der Nähe ist, benutzen sie es trotzdem.

 

Die ersten zwei Stunden haben sie Deutsch. Emelie hat ihre Hausübung vergessen und wird von der Lehrerin geschimpft. Sie hält zwei Stunden durch bis in die Pause. Sie tratscht mit Freunden. Nach ein paar Minuten kommen sie im Gespräch nicht weiter. Emelie ist langweilig, deswegen scrollt sie wieder durch Instagram und bleibt bei Influencerin XY hängen. "Warum bin ich nicht so hübsch wie sie? Bin ich hässlich?", denkt sie sich.

 

Nach der Pause geht es weiter mit Sport.  Emelie stellt sich mit Laura krank. Sie hassen Sport. Emelie sitzt auf der einen, ihre Freundin auf der anderen Seite des Sportplatzes.

Sie snapen hin und her und machen sich über die anderen lustig. Laura macht ein Video von Michi, einem pummeligen und freundlichen Jungen, wie er auf einem Ball ausrutscht. Das schickt sie sofort an das andere Ende des Sportplatzes. Emelie stellt das Video in die Klassengruppe und in eine Snapchatgruppe, in der auch Fremde sind.

 

Nach dem Sport gehen alle wieder in die Klasse und regen sich über den Turnunterricht auf. Als die Langeweile wieder Einzug hält, werfen sie einen Blick ins Handy. Auch Michi, der gleich zu weinen beginnt. Die Klasse macht sich über ihn lustig. Nächste Stunde ist Geographie und als der Lehrer hineinkommt, fragt er, den Jugend: "Michi was ist den los?". Er erzählt von dem Video und Emelie muss mit ihrer Freundin zum Direktor.

 

Er hält ihnen eine Standpauke. Sie sehen ein, dass sie einen Fehler gemacht haben und müssen einen Aufsatz über „Verhalten gegenüber Mitschülern“ schreiben. Rechtzeitig zur Religionsstunde sind sie wieder zurück. Emelie entschuldigt sich bei Michi und will ihm bei Gelegenheit ein Eis spendieren. Die Stunde geht vorbei.

 

An der Bushaltestelle reden die zwei Freundinnen kein Wort miteinander, stattdessen starren sie in ihr Handy und trösten sich mit lustigen Videos und Musik. Im Bus setzen sie sich auch nicht nebeneinander.

 

Zuhause wartet schon Mama. Sie fragt Emelie wie ihr Tag war, doch sie gibt keine Antwort und stürmt in ihr Zimmer. Dort bleibt sie eine halbe Stunde und schaut Tik Tok. Zwischendurch snapt sie noch ein paar Leuten zurück.

 

Ihre Mutter bringt ihr das Essen aufs Zimmer und fragt erneut. Emelie erzählt ihr von dem Vorfall. Ihre Mutter rät ihr sich mit ihrer Freundin zu vertragen. Emelie schreibt Laura. Sie treffen sich in einer halben Stunde bei der Kirche. Sie vertragen sich und drehen gemeinsam ein Tik Tok. In ihren Status auf Instagram und Whatsapp stellen sie ein Foto des jeweils anderen und einen Text über Freundschaft. Nach einer Weile gehen beide wieder nach Hause. Es ist schon spät.

 

Zum Abendessen gibt es heute die Spaghetti vom Vortag. Neben den Essen sieht sie sich die neuen Videos an. Ihrem Bruder, der gerade nach Hause gekommen und müde ist, stört das. "Leg dein Handy weg. Es stört beim Essen", sagt er zu Emelie. Diese schaut weiter nur in ihr Telefon, bis es ihm endlich reicht. Er nimmt ihr das Handy weg. Das gefällt Emelie natürlich nicht und es kommt zum Streit. Dabei schlägt ihr Bruder sie leicht am Unterarm. Das ist Emelies Chance, sie geht zu Mama und zeigt ihr den Arm.

 

Mama schickt ihren Bruder aufs Zimmer. Emelie hat ihr Handy wieder. Die nächsten Stunden chattet und snapt sie mit vielen Leuten. Auch entschuldigt sie sich noch einmal bei Michi.

Nach einer Zeit fällt Emelie ein, dass sie auch noch ihre Hausübung für morgen erledigen sollte. Sie macht sich ans Werk und schaut nebenbei ein bisschen Instagram. Insgesamt braucht Emelie für ihre Aufgabe eine Stunde. Sie wundert sich: " Es war ja nur eine halbe Seite Abschreiben."

 

Bevor sie schlafen geht, schaut sie noch ein paar Folgen von Riverdale.

Um elf geht sie schlafen. Eine Stunde versucht sie einen Weg in das Land der Träume zu finden, aber es gelingt nicht. Also schnappt Emelie sich das Handy und scrollt noch durch Tik Tok, Instagram und Co.

 

Nach einer gefühlten halben Stunde legt Emelie ihr Handy weg und macht das Licht aus. Da schaut sie auf den Wecker: "Was! Es ist schon Zwei!"