Syrien: Ein Bürgerkrieg wird zum kleinen Weltkrieg

von Niklas Waglechner

Seit 2011 tobt in Syrien ein schlimmer Krieg. Die Folgen: die Hälfte aller Syrier ist auf der Flucht und 500.000 Personen haben ihr Leben verloren. Aber um was geht es bei diesem Krieg? Und warum ist, wie in der Überschrift schon angedeutet, der Konflikt im Laufe der Zeit zu einem kleinen Weltkrieg geworden?

 

2010, Damaskus: Tausende gehen auf die Straße, um gegen den dortigen Präsidenten, Baschar al-Assad, zu demonstrieren. Der Grund für diese Proteste jedoch, liegt in der Religion, denn in Syrien gibt es zwei große Ableger des Islam.

 

Nämlich die schiitischen Aleviten, die eher gegen den politischen Islam sind, und die Sunniten, die meist mit radikaleren Mitteln arbeiten und die Mehrheit der Bevölkerung darstellen. Aber warum wurde dann gegen die Regierung revoltiert?

 

Nun ja, das ist eigentlich sehr einfach, denn al-Assad und der Rest des Regimes sind Aleviten. So kam es nach ein paar Monaten der Demonstrationen, dass das Vorgehen der Protesler immer radikaler und zerstörerischer wurde.

 

Auch ausländische Mächte wie der Iran und Saudi-Arabien mischten sich in den Konflikt und schickten Truppen, um die Rebellen oder die Regierung zu unterstützen. Tatsächlich rochen auch die Waffen-Lobby des Westens und China einen großen Deal, aus dem sie sehr viel Profit schöpfen konnten.

 

So bekamen auch die Sunniten z. B. von der USA, die jetzt gegen die Rebellen kämpft, immer bessere Waffen und durch Streitigkeiten unter den Aufständischen bildeten sich Gruppen wie der IS, die der Westen, aber vor allem die USA, mit allen Mittlen bekämpft. Das ist irgendwie ironisch.

 

Um nun mehr Klarheit zu schaffen, werde ich nun die genauen Machtverhältnisse und Gründe an der Beteiligung an diesem Krieg erläutern. Völkerrechtlich dürfen eigentlich nur Iran, Hisbollah und Russland in Syrien kämpfen, weil sie Verbündete oder Bündnispartner von Syrien sind. Auf der Seite der Aufständischen stehen Israel, erklärter Erzfeind von Syrien, die USA, wegen der Russland am Krieg beteiligt ist und Saudi-Arabien, wegen religiöser Interessen.

 

Wirklich zu keiner Seite kann man die Türkei zählen. Anfangs war die Türkei noch gegen das Regime und später gegen die kurdischen Rebellen, also gegen die sogenannte YPG im Norden. Die YPG ist im Prinzip der Stahlhelm oder die Heimatwehr der kurdischen - im Westen Terrororganisation eingestuft -  Unabhängigkeitsbewegung PKK. So will Ankara die Bildung eines kurdischen Autonomiegebietes oder gar eines kurdischen Staates verhindern, denn auch in der Türkei gibt es Kurden, die aber dort nicht sehr erwünscht sind und deswegen aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden.

 

Dieser Konflikt, der als Bürgerkrieg begann und langsam, wegen der Beteiligung vieler Staaten, zu einem kleinen Weltkrieg wurde, währt inzwischen schon seit über 9 Jahren - und keine der Mächte scheint auch nur in Erwägung zu ziehen, Frieden oder einen längeren Waffenstillstand zu schließen, obwohl die Bevölkerung Syriens und der arabischen Welt schon genug darunter gelitten hat.

 

An diesem Beispiel, Syrien, sieht man wieder, was religiöser Fanatismus anrichtet und was er mit den Menschen, aber auch mit ganzen Staaten, machen kann. Deswegen finde ich: "Religion hat in der Politik nichts verloren, sofern die Politik die Religion selbst nicht betrifft!"